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Apimondia-Weltkongress 2021 in Baschkortostan

Apimondia-Weltkongress 2021 in Baschkortostan

Der Apimondia-Weltkongress 2021 mit 10’000 Besuchern aus 100 Ländern findet in Baschkortostan statt. In dieser russischen Republik wird mit Dunklen Bienen (Apis mellifera mellifera) geimkert, deren Lindenblüten-Honig als «baschkirisches Gold» bezeichnet wird.

Der Internationale Verband der Bienenzüchter-Vereinigungen Apimondia organisiert seit 1897 seinen Weltkongress in verschiedenen Gastgeberländern. In den deutschsprachigen Ländern fand der Apimondia-Weltkongress schon 1939 in Zürich statt, 1956 in Wien, 1969 in München und 1995 in Lausanne. Seit 1949 wird der Weltkongress der Bienenzüchter alle zwei Jahre durchgeführt und zählt jeweils rund 10'000 Besucher aus über 100 Ländern.

Die letzten Apimondia-Weltkongresse fanden statt in:

Die nächsten Apimondia-Weltkongresse finden statt in:

Baschkortostan als Gastgeber des Apimondia-Weltkongress 2021

Die russische Republik Baschkortostan (früher Baschkirien) liegt am äussersten Ostrand Europas, westlich der Ural-Gebirges. Baschkortostan ist die flächengrösste und bevölkerungsreichste muslimische Republik in Russland. Das namensgebende Volk der sunnitischen Baschkiren ist allerdings eine Minderheit. Unter den rund 4 Millionen Einwohnern sind die Russen weitaus zahlreicher. Amtssprachen sind deshalb Russisch und Baschkirisch.

Baschkortostan gehört dank eigenen Erdölvorkommen zu den reichsten Republiken Russlands. Nördlich der Hauptstadt Ufa liegt der grösste petrochemische Komplex Europas. Parallel dazu behauptet sich aber in Baschkortostan das alte Handwerk der Imkerei als wichtige und vor allem nachhaltige «Industrie».

Was viele europäische Imker nicht wissen: In der russischen Republik Baschkortostan wird grösstenteils mit wenig hybridisierten bis reinen Dunklen Bienen (Apis mellifera mellifera) geimkert. Nach dem Bezirk Bursjanski, wo unter anderem im Biosphären-Reservat Schulgan-Tasch die grössten Populationen leben, werden sie als «Bursjanski Waldbienen» bezeichnet.

Lindenblüten-Honig ist das «baschkirische Gold»

Baschkortostan geniesst in Russland einen ausgezeichneten Ruf für seine Bienenzucht, die Produktion von Bienenprodukten und die Bienenforschung. Während bei uns vor allem die Zeidler aus Baschkortostan (zumindest vom Hörensagen und aus Youtube-Filmen) legendär sind, ist der baschkirische Honig in Russland generell ein Qualitätsbegriff.

In Baschkortostan steht nämlich rund ein Drittel der gesamten russischen Bestandes an Winterlinden oder Steinlinden oder Steinlinden (Tilja cordata). Diese Laubbäume erreichen eine Wuchshöhe bis 40 Meter und können 1000 Jahre alt werden. Man riecht es schon von Weitem, wenn die Lindenblüten über Nacht den Nektar ausscheiden, die Luft ist dann regelrecht vom Honiggeruch gesättigt. Jede Linde ergibt einen Ertrag bis 2,5 Kilogramm von besonders delikatem Lindenblüten-Honig.

In Russland wird Baschkortostan deshalb oft als das «Honigland» bezeichnet, in dem das «baschkirische Gold» fliesst. Mit Letzterem ist speziell der Honig gemeint, den die Zeidler von wild lebenden Honigbienen-Völkern in Baumhöhlen ernten. Sogar die Kosmonauten der Internationalen Raumstation «Mir», die von 1986 bis 2001 in 390 Kilometer Höhe die Erde umkreiste, erhielten jeden Morgen eine Portion vom «baschkirischen Gold».

In Baschkortostan lebt die Zeidler-Tradition weiter

Rund 500 Familien in Baschkortostan betreiben heute noch die Zeidlerei. Von diesen Zeidler-Familien imkern die Hälfte im 225 Quadratkilometer grossen Biosphären-Reservat Schulgan-Tasch, das 300 Kilometer südlich der Republik-Hauptstadt Ufa liegt.

Wenn eine Zeidler-Familie einen alten und kräftigen Baum ausgesucht hat, entwipfelt sie zuerst den Baum, um dem Windbruch vorzubeugen. Dann wird zur Kennzeichnung mit der Axt das Zeichen der Familie in die Rinde gehauen. Die Zeidler-Familie wartet ein paar Jahrzehnte, bis sie mit einer Hacke im «reservierten» Baum eine Höhle heraus schlägt. Nach einigen Jahren ist die Höhle trocken und bereit für den ersten Bienenschwarm.

Bei nur zwei Höhlen pro Quadratkilometer müssen die Zeidler bei jedem Kontrollgang und zur Ernte lange Fussmärsche auf sich nehmen: Der Abstand schützt die Bienen aber vor Dieben und ansteckenden Krankheiten. Jeweils Anfang September ernten die Zeidler-Familien nur 15 bis 25 Kilogramm Honig pro Tag – und trotzdem lohnen sich das jahrzehntelange Warten und die harte, gefährliche Arbeit auf den Bäumen: In den Geschäften im Biosphären-Reservat Schulgan-Tasch kostet der Zeidler-Honig 50 Euro, in Moskau sogar bis 200 Euro pro Kilogramm.

Zahlen und Fakten zur Imkerei in Baschkortostan

Aus verschiedenen russischen Quellen lassen sich folgende Schätzwerte zur Imkerei in Baschkortostan ermitteln:

  • 9000 Imkereien
  • 310’000 Bienenvölker
  • 34 Bienenvölker, Durchschnitt pro Imkerei
  • Linde als wichtigste Trachtpflanze
  • 16 kg Honig pro Bienenvolk/Jahr
  • 5000 Tonnen Honig pro Jahr
  • 9 Prozent des in Russland produzierten Honigs stammen aus Baschkortostan