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Mit Paraffin verfälschte Mittelwände verunreinigen den Wachskreislauf

Mit Paraffin verfälschte Mittelwände verunreinigen den Wachskreislauf

Auf eBay und von einzelnen «Fachhändlern» in Deutschland und Frankreich werden Mittelwände verkauft, die mit Paraffin verfälscht sind. Diese Mittelwände verunreinigen den Wachskreislauf über Jahre hinaus. «Bei einem Kilopreis unter 16 Franken sollten beim Imker die Alarmglocken läuten», erklären Schweizer Imkerei-Fachhändler.

Mehrere Bieneninstitute und der Deutsche Imkerbund D.I.B. berichten, dass in letzter Zeit Mittelwände angeboten werden, die Paraffin enthalten. Den Mittelwänden liegen gefälschte «Untersuchungsergebnisse» bei, die bescheinigen, dass es reines Bienenwachs sei. Spätestens beim Öffnen des Pakets fallen die mit Paraffin verfälschten Mittelwände durch einen untypischen, gummiartigen Geruch auf.

Wieso werden Mittelwände mit Paraffin verfälscht?

Die mit Paraffin verfälschten Mittelwände werden auf dem Online-Markplatz eBay und von einzelnen «Fachhändlern» in Deutschland und Frankreich billiger angeboten, als echte Mittelwände aus reinem Bienenwachs. Teilweise zum halben Preis, also 11 Franken statt 22 Franken pro Kilogramm, die man im seriösen Imkerei-Fachhandel bezahlt. Trotzdem machen diese unseriösen Verkäufer damit ein gutes Geschäft: Paraffin ist nämlich ein billiges Abfallprodukt aus der Erdölindustrie.

Schon beim Einlöten der Mittelwände zeigt sich der erste Unterschied: Die mit Paraffin verfälschten Mittelwände riechen unangenehm nach Gummi und sind bei der üblichen Raumtemperatur von 15 bis 25 Grad relativ spröde, was das Einlöten erschwert und zu mehr Abfall führt.

Der Imker bezahlt teuer für billige Mittelwände mit Paraffin

An heissen Sommertagen zeigt sich dann, dass der Imker die billigen Mittelwände letztendlich teuer bezahlt: Paraffin schmilzt schon bei 45 Grad (Weichparaffin) bis 50 bis 60 Grad (Hartparaffin), während Bienenwachs erst bei 62 bis 65 Grad schmilzt. Im Sommer können da schon mal die Mittelwände von den Holzrähmchen schmelzen, was zum Tod vieler Honigbienen in der Beute und zum Verlust des kostbaren Honigs führen kann.

Französische Imker berichten zudem, dass Ihre Bienen doppelt solange brauchen, um mit Paraffin (und Insektiziden wie dem schon lange verbotenen Coumaphos / Perizin) verfälschte Mittelwände auszubauen.

Die mit Paraffin verfälschten Mittelwände haben langfristig für alle Imker gravierende Auswirkungen: Wenn sie später mit reinem Bienenwachs eingeschmolzen und zu neuen Mittelwänden gepresst werden, wird das reine Bienenwachs über viele Zyklen und damit über Jahre hinaus verfälscht.

Mittelwände nur beim Fachhändler kaufen, dem man vertraut

Bienenwachs ist ein kostbares Naturprodukt. Nach guter imkerlicher Praxis darf in Bienenvölkern nur reines Bienenwachs verwendet werden. Beim Kauf von Wachs und Mittelwänden ist es deshalb selbstverständlich, dass dem Imker die mit glaubwürdigen Reinheits-Zertifikaten belegte Qualität wichtiger ist, als ein billiger Kaufpreis.

«Bei einem Kilopreis unter 16 Franken sollten beim Imker die Alarmglocken läuten», erklärt Silvio Hitz vom Imkerhof in Maienfeld (GR), der jährlich sechs Tonnen Wachs zu Mittelwänden verarbeitet. Im seriösen Imkerei-Fachhandel wird das Bienenwachs aufwändig gereinigt und entkeimt, bevor die neuen Waben hergestellt werden. Dazu kommen eine sorgfältige Qualitätskontrolle, die Verpackung und nicht zuletzt die Beratung im Verkauf.

Die Landesanstalt für Bienenkunde der deutschen Universität Hohenheim bringt es mit einem Satz auf den Punkt: «Mit Paraffin verfälschtes Wachs hat in der Imkerei nichts zu suchen.»

© Foto: Jürg Vollmer

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