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Primärproduktions-Kontrollen für Imker

Primärproduktions-Kontrollen für Imker

Im Januar 2017 wurde in der Schweiz die Primärproduktions-Kontrolle (PrP) für Imker eingeführt. Die PrP-Kontrolle überprüft die Hygiene, die verwendeten Tierarzneimittel, die Tiergesundheit und den Tierverkehr. Am Beispiel des Kantons St.Gallen zeigen wir, wie die Primärproduktions-Kontrolle von Imkern funktioniert.

Wie in den meisten anderen Kantonen auch, kontrollierte im Kanton St.Gallen bisher ein Bieneninspektor des Kantonalen Veterinärdienstes die Bienenstöcke. Die Honigqualität und die hygienischen Verhältnisse in der Produktion prüfte ein Lebensmittelinspektor.

Nachdem die Bienen in der Schweiz seit 2012 als Nutztiere gelten und damit der Honig in der landwirtschaftlichen Produktion dem Fleisch und der Milch gleichgestellt ist, gilt seit Januar 2017 für Schweizer Imker die Primärproduktions-Kontrolle (PrP). Da in den St.Galler Bezirken Werdenberg, Sarganserland, See und Gaster bis heute mehrheitlich mit der Dunklen Biene geimkert wird, zeigen wir die Primärkontrolle am Beispiel des Kantons St.Gallen.

Die Ziele der Primärproduktions-Kontrollen

2016 wurden im Kanton St.Gallen die ersten Bieneninspektoren zu Amtlichen Fachassistenten Primärproduktion Bienen mit der wunderschönen Abkürzung AFA PrP Bienen weitergebildet. Diese St.Galler AFA PrP Bienen kontrollierten 2016 in einer Pilotphase erste Imkereien.

Der Grabser Imker Max Meinherz war einer der ersten AFA PrP Bienen im Kanton St.Gallen und arbeitete an der Ausgestaltung der neuen Kontrollen mit. «Noch sind wir in der Testphase», erklärte Max Meinherz Ende 2016. «Wir gleichen gewisse Ungereimtheiten an und können uns dabei auch eine gewisse Sicherheit aneignen.» Seit Januar 2017 werden die Imkereien nach dem neuen System kontrolliert.

Die Ziele der Primärproduktions-Kontrollen fasst Max Meinherz wie folgt zusammen:

  • Bei den Imkern wollen wir die hygienisch einwandfreie Gewinnung von Bienenprodukten erreichen.
  • Ebenso wichtig ist der korrekte und fachgerechte Einsatz von zugelassenen Tierarzneimitteln ...
  • ... und natürlich die Gesundheit der Bienen.
  • Zudem überprüfen wir, ob die Bienenhaltung ordentlich registriert und der Bienenverkehr nachvollziehbar ist.

«Die PrP-Kontrollen sollen auch beim Konsumenten Vertrauen schaffen» erklärt Meinherz, «denn die Konsumenten sind heute wesentlich kritischer geworden». Zudem solle das gute Image der Schweizer Bienenprodukte erhalten und weiter gefördert werden. Die Konsumenten sollen sicher sein können, ein qualitativ hochstehendes Naturprodukt zu konsumieren, das unter einwandfreien Bedingungen produziert wurde.

Goldsiegel und Primärproduktions-Kontrolle ergänzen sich

Rund ein Drittel aller Schweizer Imker sind dem Goldenen Qualitätssiegel des Dachverbandes apisuisse angeschlossen. Dieses bürgt für saubere, rückstandfreie Qualität und schonende Verarbeitung.

Das Goldsiegel und die PrP-Kontrollen ergänzen sich aber gemäss Meinherz, «weil das Siegelprogramm weiter geht, als die gesetzlichen Vorgaben». Das Goldsiegel zum Beispiel, erlaube zum Beispiel einen Wassergehalt im Honig von maximal 18,5 Prozent, das Lebensmittelgesetz jedoch 21 Prozent. «Andererseits ist die PrP-Kontrolle wesentlich umfassender und bezieht sich auf den gesamten Imkerbetrieb.»

Die Kontrollbereiche der Primärproduktions-Kontrolle

Die Primärproduktions-Kontrolle unterteilt sich in vier Kontrollbereiche:

  • Hygiene in der tierischen Primärproduktion
  • Tierarzneimittel
  • Tiergesundheit
  • Tierverkehr

Im Kontrollpunkt Hygiene wird überprüft, ob leere Brut und Honigwaben in lebensmitteltauglichem Zustand gelagert werden (sauber, geruchsneutral und frei von Schädlingen). Kontrolliert wird auch, ob der Honig ordnungsgemäss gewonnen, verarbeitet und gelagert wird und ob Art, Menge und Empfänger dokumentiert sind.

Mit dem Kontrollpunkt Tierarzneimittel wird sichergestellt, dass im Bienenstand nur von Swissmedic zugelassene Mittel und Methoden zum Einsatz kommen. Zudem müssen die Tierarzneimittel korrekt aufbewahrt und über angewendete Tierarzneimittel Buch geführt werden.

Beim Kontrollpunkt Tiergesundheit wird mit Stichproben die Gesundheit und die fachgerechte Haltung der Bienenvölker geprüft. Ausserdem müssen besetzte und unbesetzte Bienenstände so gewartet sein, dass von ihnen keine Seuchengefahr ausgeht. Die Bekämpfung der Varroamilbe muss nach einem wirksamen Konzept erfolgen.

Im Kontrollpunkt Tierverkehr wird überprüft, ob der Imker seine Bienenstände korrekt gemeldet hat, jeder Bienenstand aussen gut sichtbar und ordnungsgemäss gekennzeichnet ist und die Bestandskontrolle vorschriftsgemäss geführt wird. Die Bestandskontrolle weist aus, wo und wann Bienenvölker beispielsweise auf andere Bienenstände verbracht, verkauft oder allenfalls aufgelöst wurden. Diese Angaben sind sehr wichtig, gerade bei der Bekämpfung von Bienenkrankheiten, die teilweise anzeigepflichtig sind.

Die Imkerei und die Kontrolle der Imkerei werden immer aufwändiger

Diese umfassende Primärproduktions-Kontrolle dauert zwei bis drei Stunden – ein Zeichen mehr, dass die Imkerei immer aufwändiger wird. «Die Bienenvölker brauchen heute den Imker, um überhaupt überleben zu können», betont Max Meinherz. Wegen Krankheiten und Schädlingen müssten gleichzeitig auch die Kontrollen intensiviert werden.

«Bei der Primärproduktions-Kontrolle liegt mir aber sehr daran, nicht mit Übereifer als Polizist aufzutreten. Die Verhältnismässigkeit muss beachtet werden», sagt Meinherz. Wie bei allen Kontrollen der Inspektoren aus dem Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen gelte auch bei der Primärproduktions-Kontrolle der Imker: «Die Kontrolle ist immer auch Hilfestellung für den Kontrollierten.»

© Foto: Jürg Vollmer / mellifera.ch. Im Bild Max Meinherz (links), seit Januar 2017 als Amtlicher Fachassistent Primärproduktion Bienen im Kanton St.Gallen im Einsatz.

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