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SICAMM – Internationaler Verband zum Schutz der Dunklen Biene

SICAMM – Internationaler Verband zum Schutz der Dunklen Biene

SICAMM steht für den Internationalen Verband zum Schutz der Dunklen Europäischen Biene (Apis mellifera mellifera). Aufgabe der SICAMM ist die Erhaltung, der Schutz und die Zucht aller vorhandenen Ökotypen und geographischen Varianten der Apis mellifera mellifera. Zu den Gründungsmitgliedern der SICAMM gehörte 1995 auch mellifera.ch.

Der Verband aller Mellifera-Zuchtvereine Europas wurde am 8. September 1995 unter dem lateinischen Namen Societas Internationalis pro Conservatione Apis melliferae melliferae (SICAMM) gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten mellifera.ch (früher: Verein Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde VSMB) sowie Mellifera-Organisationen aus Österreich, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Grossbritannien und Polen.

Mitgliedsländer der SICAMM

Seit der SICAMM-Gründung 1995 sind laufend weitere Mitgliedsorganisationen dazu gekommen. Heute gehören dem Internationalen Verband zum Schutz der Dunklen Europäischen Biene (Apis mellifera mellifera) Organisationen aus 18 europäischen Ländern an:

  • ​Irland
  • Grossbritannien (mit Nordirland und Schottland)
  • Niederlande
  • Belgien
  • Frankreich
  • Deutschland
  • Schweiz
  • Österreich
  • Tschechische Republik
  • Polen
  • Malta
  • Norwegen
  • Schweden
  • Finnland
  • Dänemark
  • Lettland
  • Litauen
  • Russland

Resolution der SICAMM  zum Schutz der Mellifera

An der ersten Internationalen SICAMM-Konferenz in Flekkefjord (Norwegen) im Jahre 1995 verabschiedete der Internationale Verband zum Schutz der Dunklen Europäischen Biene folgende Resolution:

«Staaten, welche die UN-Biodiversitätskonvention von 1992 unterzeichnet haben und somit verpflichtet sind, die Erhaltung bedrohter Arten und Rassen zu gewährleisten, tragen Verantwortung gleicherweise auch die vom Aussterben bedrohte Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera) mit möglichst vielen ihrer noch überlebenden Unterarten zu erhalten.»

Ziele der SICAMM zum Schutz der Mellifera

  1. ​Die Aufgabe der SICAMM ist die Erhaltung, der Schutz und die Zucht aller vorhandenen Ökotypen und geographischen Varianten der Apis mellifera mellifera.
  2. Die SICAMM informiert die breite Öffentlichkeit und assoziierte Gruppen, Verbände sowie Institutionen über die Apis mellifera mellifera. Die Fachleute der SICAMM sind eine wirkungsvolle Lobby für die Apis mellifera mellifera in der nationalen und internationalen Forschung sowie Politik.
  3. Die SICAMM fördert die internationale Zusammenarbeit Imkern, Wissenschaftlern, Verbänden und Institutionen, die sich mit der Erhaltung, dem Schutz und der Zucht der Dunklen Europäischen Biene (Apis mellifera mellifera) beschäftigen.
  4. Die SICAMM unterstützt regionale, nationale und internationale Projekte von assoziierten Gruppen, Verbänden oder Institutionen zur Erhaltung, Schutz und Zucht der Apis mellifera mellifera.
  5. Die SICAMM unterstützt Projekte zur Wiederansiedlung der Apis mellifera mellifera in Gebieten, die ihre ursprünglich einheimischen Bienen verloren haben. Dabei bevorzugt die SICAMM die Wiederansiedlung von Ökotypen und geographischen Varianten der einheimischen Dunklen Europäischen Biene, die den ursprünglichen Honigbienen dieser Gebiete biologisch am nächsten sind.

Irland soll künftiger Sitz der SICAMM werden

​Bis heute ist die SICAMM ein Verband ohne eigene Geschäftsstelle, der alle zwei Jahre ad hoc in wechselnden Ländern eine wissenschaftlich hoch stehende Konferenz organisiert.

Künftig soll die SICAMM einen offiziellen Sitz in Irland erhalten, dem einzigen Land mit einer ausschliesslichen Mellifera-Population (also ohne Carnica, Ligustica und Buckfast). Mit dem Sitz im EU-Land Irland und dem Ausbau zum schlagkräftigen europäischen Verband wird die SICAMM Zugang erhalten zu EU-Geldern für Erhaltung, Schutz und Zucht der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera).

Bisherige SICAMM-Konferenzen 1995 bis 2016


Die SICAMM-Konferenz 2016 in Lunteren (Niederlande)

Auf dem Programm der SICAMM-Konferenz 2016 in Lunteren (Niederlande) standen 30 Referate rund um die Dunkle Biene – von der heutigen Verbreitung über die Erfahrungen mit Schutzgebieten bis zur DNA-Analyse der Dunklen Biene.

Teilgenommen haben 63 Imker und Bienenforscher aus 17 Ländern. In diesem Bericht können wir nur auf die Referate von Organisationen aus den deutschsprachigen Ländern (DACH-Länder) eingehen. Ausführliche Berichte über interessante Referate aus anderen Ländern folgen später.

SICAMM-Mitgliedsorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die Mitgliedschaft im Internationalen Verband zum Schutz der Dunklen Europäischen Biene SICAMM ist bis heute informeller Natur. Das heisst, es werden keine Mitgliederbeiträge erhoben und Mitglieder können nicht nur (sofern überhaupt vorhanden) die nationalen Mellifera-Organisationen werden, sondern auch regionale oder lokale Organisationen.

Während sich in Österreich und der Schweiz je eine Organisation formiert hat, verteilen sich die Kräfte in Deutschland auf mindestens sieben verschiedene Organisationen oder Akteure. So entsteht bei den SICAMM-Mitgliedsorganisationen in den deutschsprachigen Ländern ein Bild, das umgekehrt proportional zu den realen Mellifera-Populationen in den jeweiligen Ländern steht.

Mellifera-Organisationen in Deutschland

Mellifera-Organisation in Österreich

Mellifera-Organisation in der Schweiz

Die Apis mellifera mellifera in Deutschland

​In Deutschland findet man die letzten Aufzeichnungen über eine eigene Mellifera-Population 1975 in der Kleinstadt Suhl am Südhang des Thüringer Waldes. Danach galt die Apis mellifera mellifera in Deutschland als ausgestorben. Seit einigen Jahren arbeiten aber mehrere Organisationen unabhängig voneinander daran, die Mellifera in Deutschland wieder anzusiedeln.

An der SICAMM-Konferenz 2016 war leider nur der Zuchtverband Dunkle Biene Deutschland e. V. vertreten. Dessen 1. Vorsitzender Ralf Ulrich präsentierte die Aktivitäten des 2013 gegründeten Zuchtverbandes. Der zählt heute 56 Mitglieder quer durch ganz Deutschland mit rund 200 reinrassigen Mellifera-Völkern, was 0,025 Prozent der gesamten Völkerzahl in Deutschland entspricht.

2012 stellte die Organisation ein eigenes Zuchtprogramm auf die Beine, das nach anfänglichen Rückschlägen erste Erfolge zeigt. Unter anderem mit Hilfe des Institutes für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz INRES der Universität Bonn. Der Aufbau einer eigenen Belegstelle im Risstal im oberbayrischen Karwendel-Gebirge musste allerdings aufgegeben werden, weil kein Schutzgürtel eingerichtet werden konnte. Ralf Ullrich setzt darum neu auf die instrumentale Insemination.

Am Rande der SICAMM-Konferenz 2016 präsentierte Frank Hass das Arterhaltungsprojekt Dunkle Biene, welches ein paar Wochen später (Ende Dezember 2016) in Deutschland gegründet wurde. Die Initianten wollen in einer abgeschiedenen Region Deutschlands ein Mellifera-Schutzgebiet einrichten und dort reine Bestände der Dunklen Biene ansiedeln.

Hinter dem Arterhaltungsprojekt Dunkle Biene stehen das Jane Goodall Institut Deutschland und die Aurelia-Stiftung. «Wir kontaktieren nun die verstreuten Einzelkämpfer in Deutschland und erfahrene europäische Partner, um vorhandene Erfahrungen und Initiativen zu bündeln», erklärte Frank Hass in Lunteren.

Austria Mellifera Züchter AMZ in Österreich

Aus Österreich nahm leider kein Vertreter der im Dezember 2010 gegründeten Austria Mellifera Züchter AMZ an der SICAMM-Konferenz 2016 teil. In der AMZ arbeiten zusammen:

  • ​Zuchtgruppe Salzburger Alpenland (Nigra)
  • Zuchtgruppe Nigra-Alpenland Inner Gebirg (Nigra)
  • Zuchtgruppe Tirol (Braunelle)

Gemäss Informationen der AMZ gibt es in Österreich heute rund 1000 reinrassige Völker der Dunklen Biene, was 1 Prozent der gesamten Völkerzahl in Österreich entspricht.

mellifera.ch in der Schweiz

Ganz andere Dimension hat die Zucht der Dunklen Biene in der Schweiz. Der Präsident von mellifera.ch (Verein Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde) präsentierte die aktuellen Zahlen: «Von den rund 150'000 Bienenvölkern in der Schweiz sind rund 10 Prozent oder 15'000 Völker reinrassige Apis mellifera mellifera», erklärte Padruot Fried.

mellifera.ch hat rund 500 Mitglieder, die mit Dunklen Bienen imkern. 35 zertifizierte (!) Reinzüchter sorgen auf 5 Linien-Belegstellen und 27 Rassen-Belegstellen für qualitativ hochwertige Königinnen. Über 5000 reinrassige Mellifera-Königinnen kommen jährlich von den Belegstellen, die in der Schweiz naturgemäss (Hoch-)Gebirgsbelegstellen sind.

Gemeinsam mit den lokalen Imkern und Behörden wurden in der Schweiz in den vergangenen Jahren sechs Schutzgebiete mit einer Gesamtfläche von über 1000 Quadratkilometern geschaffen.

Die 63 Teilnehmer der SICAMM-Konferenz staunten über den Aufwand des Schweizer Mellifera-Vereins – und auch darüber, was die kleine aber schlagkräftige Organisation seit 1994 erreicht hat. Der Fortbestand der Dunkle Bienen in der Schweiz ist heute mit mehreren grösseren Populationen gesichert. Und die Qualität der Mellifera wird durch grossflächig eingesetzte DNA-Analysen gesichert, Hybrid-Königinnen werden konsequent ausgemerzt.

(Mehr über die Referate von mellifera.ch an der SICAMM-Konferenz 2016 in Lunteren)

SICAMM-Forschungsergebnisse quer durch Europa

Es würde zu weit führen, auf jedes der insgesamt 26 Referate mit Forschungsergebnissen quer durch Europa einzugehen, die an der SICAMM-Konferenz 2016 in Lunteren (NL) gehalten wurden. Wir werden aber in den nächsten Monaten einzelne Referate «herausgreifen» und in unseren Mellifera-News ausführlicher darüber berichten.

Die SICAMM-Konferenz 2018 in Mustiala (Finnland)

Die nächste SICAMM-Konferenz findet vom 13. bis 15. Juli 2018 in Mustiala (Finnland) statt. Dort liegt die 1840 gegründete Landwirtschaftsschule Mustiala , die heute als Fachhochschule Häme University of Applied Sciences (HAMK) geführt wird.

Am Rande der SICAMM-Konferenz können die Teilnehmer die Sommerresidenz des finnischen Staatspräsidenten besuchen. Dessen Residenz Kultaranta liegt auf einer Insel im Südwesten Finnlands. Das Gebäude aus Granit ist von einem 56 Hektaren grossen Park mit einem grossen Rosengarten umgeben.

© Foto: Jürg Vollmer / mellifera.ch

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