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Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B.

An der Züchtertagung 2016 des D.I.B. wurden effiziente Methoden zur Königinnen-Vermehrung präsentiert. Die Imkermeister des Fachzentrums Mayen sowie der Bieneninstitute Celle und Kirchhain plädierten für eine Königinnen-Zucht mit hohen Produktionszahlen. Und Bienenprofessor Kaspar Bienefeld bezeichnete die genomische Selektion durch DNA-Analysen als Selektions-Tool der Zukunft.

200 Züchter und Zucht-Verantwortliche zählte die Züchtertagung 2016 des Deutschen Imkerbundes D.I.B. im rheinland-pfälzischen Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen.

Die meisten Teilnehmer kamen aus Deutschland, daneben waren eine grössere Gruppe aus Österreich und Vertreter weiterer Nachbarländer wie der Schweiz dabei. Selbstverständlich auch von mellifera.ch als Organisation für die Dunkle Biene in der Schweiz. Aus den verschiedenen Organisationen für die Dunkle Biene in Deutschland haben leider keine Vertreter an der Züchtertagung 2016 teilgenommen.

Die Themen der Züchtertagung 2016 des D.I.B.

Ein Klick zum Beispiel auf → Vergleichende Untersuchungen zur Reproduktion der Varroamilbe führt direkt zur Begriffserklärung.

→ Qualitativ hochwertige Königinnen aus «Dauer-Zucht»
→ Inselbelegstelle Norderney liefert Ideen für Schweizer Mellifera-Gebirgsbelegstationen
→ Einfluss des Alters von Zuchtköniginnen auf ihre Nachkommen
→ Genomische Selektion bei den Bienen (GeSeBi)
→ Vergleichende Untersuchungen zur Reproduktion der Varroamilbe
→ Berücksichtigung der Varroa Sensitive Hygiene VSH in der Selektion

Qualitativ hochwertige Königinnen aus «Dauer-Zucht»

Das Fachzentrum Mayen, die Bieneninstitute Celle und Kirchhain pflegen neben Forschung und Imkerausbildung auch die praktische Zucht. Dazu gehören die Bestückung von drohnensicheren Belegstationen und insbesondere die Produktion von rund 2000 Königinnen je Institut.

Die Imkermeister Gerald Wolters, Hansgeorg Schell und Waldemar Strasser orientierten über die Königinnen-Produktion in ihren Instituten. «Hobby auf hohem Niveau» sei keine Option für eine Königinnen-Zucht mit hohen Produktionszahlen. Methoden ohne «unnötiges Beiwerk» ermöglichen mit dem geringstnötigen Aufwand die grösstmögliche Qualitätsproduktion.

Eine «Dauer-Zucht» mit weisellosen Pflegevölkern in einem festgesetzten Wochenrhythmus sei die Lösung. Nur durch Produktionssicherheit und einen grossen Output können die Arbeitskapazitäten der Imkermeister und Auszubildenden voll genutzt werden – und der Bedarf des Marktes befriedigt werden. Beim Anblick eines Zuchtrahmens mit gut 50 verdeckelten Zellen war im Saal ein Raunen zu hören. Solche Bilder waren für die meisten Konferenzteilnehmer ungewohnt.

Der Lerneffekt für die Schweizer Mellifera-Züchter: Die in den Königinnen-Zuchtkursen propagierte Zucht mit Anbrüter und weiselrichtigem Endpflege-Volk ist eine Methode für den Klein-Züchter (und für diesen auch in Ordnung). Damit können aber weder Menge, noch Produktionssicherheit und ein gutes Verhältnis von Aufwand und Ertrag erreicht werden.

Königinnen-Vermehrung in grösserem Stil – wie sie für die Weiterentwicklung der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera) und den ausgetrockneten Markt in der Schweiz nötig ist – verlangt jedoch angepasste Methoden. Die detailreichen Beiträge der drei Imkermeister sind hier wegweisend und bringen Ordnung in die wenig fruchtbaren Diskussionen um allerlei Gerätschaften und Methoden der Königinnen-Zucht.

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Einfluss des Alters von Zuchtköniginnen auf ihre Nachkommen

Der Bienenforscher Hassan Al Lawati aus dem arabischen Sultanat Oman untersuchte die Alterseffekte auf die Fruchtbarkeit von Bienen-Eiern und -Spermien sowie deren Folgen auf den Honigertrag. Die Ergebnisse seiner Dissertation «Impact of the Age on Early Embryonic Mortality (EEM) and Embryo Quality in the Honey Bee» präsentierte Professor Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf.

Die Eier von Königinnen ab dem zweiten Leistungsjahr sind kleiner und weniger fruchtbar, als diejenigen junger Königinnen. Ebenso ist die Lebensdauer von Nachkommen zweijähriger Königinnen kürzer. Anzunehmen ist, dass grössere Eier bessere Startchancen für die Entwicklung der Bienenwesen bieten.

Auf der Vaterseite kommt es bei älterem Sperma zu einer geringeren Beweglichkeit und Energieversorgung, was die embryonale Entwicklung negativ beeinflusst. So kumulieren sich Alterseffekte der Königinnen und des Sperma-Vorrates in ihren Spermatheken. Eine der Folgen ist auch eine geringere Honigleistung. Werden (nach Beebreed) Prüfgruppen von jüngeren und älteren Zuchtmüttern verglichen, ist der Unterschied im Honigertrag der Tochtervölker nachweisbar.

Fazit von Professor Kaspar Bienefeld für die Praxis:

«Jedes Jahr umweiseln – und beschaffen Sie sich Königinnen mit einem bestimmten genetischen Niveau. Es lohnt sich mehrfach, es ist keine Theorie.»

Professor Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Wahrscheinlich hat die Evolution auf Langlebigkeit gedrängt – und für die alten Züchter war Langlebigkeit eines der Zuchtziele. Im heutigen System der einjährigen Leistungsprüfung sollten deshalb Möglichkeiten geschaffen werden, die ein Gegengewicht zur scheinbar wachsenden Kurzlebigkeit darstellen. Wie weit und welche Umweltfaktoren (Umweltgifte) ebenso eine Rolle spielen, bleibt offen. Zu dieser Frage sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen.

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Inselbelegstelle Norderney liefert Ideen für Schweizer Mellifera-Gebirgsbelegstationen

Die Varroa-Toleranzbelegstelle Norderney auf der gleichnamigen ostfriesischen Insel arbeitet mit dem Deutschen Einwabenkästchen EWK. Dieses entstand etwa zur gleichen Zeit wie das alte Schweizer Ordonnanz-Kästchen – also in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und ist wie dieses aus Holz mit Glasscheiben und einem mit Wachs ausgegossenen Futterteil gefertigt.

Seit zwei Jahrzehnten arbeiten immer mehr Imker mit Hartschaumstoff-Begattungskästchen, also Mehrwabenkästchen MWK. Auf Norderney bleibt Belegstellenleiter Detlef Ottersbach aber beim Einwabenkästchen EWK aus Holz: Das EWK ist Teil eines Systems, das Befüllung, Transport, Aufstellung, Kontrolle, Rückführung und Auflösung von Begattungseinheiten vereinfacht. Manche Details dieser Arbeitsschritte sind auch für bei Apidea-Begattungskästchen entscheidend für einen guten Begattungserfolg.

Im anschliessenden bilateralen Gespräch mit Detlef Ottersbach zeigte sich: Die Führung der Drohnenvölker auf Norderney ist ein Ganzjahresprojekt mit kompromissloser Völkerführung im Sinne einer guten Drohnenproduktion. Die Details dazu waren inspirierend für die laufende Reform der Schweizer Mellifera-Belegstationen.

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Genomische Selektion bei den Bienen (GeSeBi)

Die genomische Selektion bei den Bienen (GeSeBi) ist ein immer wichtiger werdendes Selektions-Tool für die Zucht von Honigbienen. 2003 wurde das Genom der Honigbiene vollständig entschlüsselt. Ihr DNA-Strang besteht aus 240 Millionen Basenpaaren, die zu 99 Prozent aus identischen Teilen oder 50 zu 50 zusammengesetzt sind. Der Single Nucleotide Polymorphism SNP (englisch ausgesprochen snip = Schnipsel) steht dagegen für die unterschiedlich zusammengesetzten Basenpaare im DNA-Strang.

Für das GeSeBi-Projekt wurden gemäss Professor Kaspar Bienefeld je 60 Drohnen von 50 Carnica-Völkern und 10 Mellifera-Völkern vollständig sequenziert. Die Mellifera-Proben wurden als Gegenreferenz dazu genommen – und als möglicher Beginn der Arbeit auch an der einheimischen Honigbiene.

Nach einer Auswahl von 120'000 Basenpaaren werden jetzt diejenigen Genorte gesucht, die für wichtige züchterische Eigenschaften, sowie zur Unterscheidung der Unterarten Carnica und Mellifera relevant sind. Eine Bienenanalyse mit diesem Snip-Chip kostet heute rund 180 Euro.

«Sobald die für Honigleistung, Sanftmut und Varroatoleranz relevanten Basenpaare lokalisiert sind, wird der Snip-Chip spezifischer und die Analyse weniger aufwendig.»

– Professor Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Damit werden auch die Kosten für eine solche Untersuchung auf 50 bis 70 Euro sinken. Dafür müssen aber die relevanten Basenpaare von rund 3500 Königinnen lokalisiert werden, über deren Volksleistung eine Zuchtwertschätzung vorliegt. Die Leistungs- oder Feldprüfung bildet damit die Grundlage jener Lokalisierung. Später werden genomische Selektion und Feldprüfung einander unterstützen.

Heute läuft die Probenahme einer Königin via 60 Drohnen-Eier. Künftig kann eine Königinnen-Serie genomisch selektioniert werden – und nur die Auslese davon wird in die Leistungsprüfung gegeben. In Entwicklung ist die Analyse des Puppenhäutchens der Königinnen. Dazu müssten nur die betreffenden Königinnen-Zellen ans Labor gesandt werden.

2016 sind gut 1000 Drohnen- und Königinnen-Proben eingegangen. Professor Kaspar Bienefeld ruft die Züchter des D.I.B. dazu auf, 2017 weitere 2500 Proben von fertig geprüften Königinnen einzusenden und – in zweiter Priorität – von in Prüfung befindlichen Königinnen.

«Die Zuchtwertschätzung der Honigbienen hat 40 Jahre gebraucht, um den Zuchtvorsprung der anderen Nutztiere aufzuholen. Wenn wir die genomische Selektion etablieren, verhindern wir einen erneuten Rückstand bei der Biene.»

Professor Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Ein Routineeinsatz der genomischen Selektion ist für Professor Kaspar Bienefeld ab 2019 denkbar.

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Vergleichende Untersuchungen zur Reproduktion der Varroamilbe

Seine Untersuchungsergebnisse zur Reproduktion der Varroamilbe präsentierte Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen. Die Reproduktionsrate einer Varroamilbe ist bei Puppen 14,5 Tage nach der Eiablage mit dem Faktor 1,6 am höchsten und nimmt erst am 18. Tag ab.

Auffallend ist, dass die Reproduktionsrate im Jahresverlauf erst im Mai einen Faktor über 1 erreicht. Wahrscheinlich altert der Milben-Bestand während der brutfreien Phase im Winter und muss sich im Frühjahr erst erneuern, bevor er die volle Reproduktionsfähigkeit erlangt. Der Anteil infertiler Milben stellt praktisch ein Gegenstück zur schwankenden Reproduktionsfähigkeit dar.

Interessant ist ein Vergleich von je 35 Völkern der Unterarten Carnica, Ligustica und Mellifera:

«In den untersuchten Mellifera-Völkern ist die Reproduktion der Varroa in den Monaten bis Mai markant kleiner. Von Juni bis August übertreffen die Mellifera-Völker die Werte der anderen Unterarten dafür leicht – und bleiben ab September auf deren Niveau.»

– Christoph Otten, Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen

Relevant sind diese Ergebnisse von Christoph Otten für die Schweizer Mellifera-Züchter, weil damit die Praxis der Varroa-Befallsmessung auf den Prüfständen der Dunklen Biene unterstützt wird. Die Schweizer Mellifera-Prüfstandsleiter messen den Varroa-Befall mit der Puderzucker-Methode oder Auswaschen drei Mal: Zur Löwenzahnblüte, um den längsten Tag und vor der Varroa-Sommerbehandlung. Damit erheben sie das Wachstum der Varroa-Population in den Prüfvölkern in einer Zeitspanne, wo sie Varroa-biologisch und rassespezifisch auch stattfindet. Aussagekräftige Vergleiche unter den Prüfvölkern können damit am ehesten gezogen werden.

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Berücksichtigung der Varroa Sensitive Hygiene VSH in der Selektion

Die Varroa Sensitive Hygiene VSH (Varroa-sensibles Hygieneverhalten) erklärte Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstitutes Kirchhain. Wie die Suppressed Mite Reproduction SMR (Unterdrückte Milben Reproduktion) setzt die VSH auf einen wichtigen Aspekt der Varroaresistenz: Mit ihrem Geruchsvermögen können die Honigbienen befallene Puppen erkennen und damit die Milben-Reproduktion unterbrechen. Eine geringe Milben-Reproduktion in der Arbeiterbrut ist ein wesentliches Resistenzmerkmal.

Zur Analyse werden 25 bis 35 Zellen kurz vor dem Schlupf geöffnet und der Anteil nicht reproduktiver Milben bestimmt. Dies Bestimmung dauert 3 bis 4 Stunden pro Volk, wobei ein internationales Untersuchungsprotokoll die Details regelt. Um die Untersuchung gezielt durchführen zu können, braucht es einen Brutbefall von 10 Prozent oder höher, was einem Bienenbefall von 2 Prozent oder mehr entspricht. Dies wird durch teilweises Auslassen von Varroa-Behandlungen oder das Einbringen von Milben in verdeckelte Zellen erreicht.

Das Recapping (Wiederverdeckeln) der Brutzellen, welche die Honigbienen aufgrund eines Befallsverdachtes geöffnet haben, ist ein zusätzlichen Indikator für die VSH-Eigenschaft. Tatsächlich können Bienen Zellen öffnen und wieder verdeckeln. Milben können solche temporär geöffneten Zellen verlassen und befallen.

Beim Zelldeckel der wieder verdeckelten Zellen fehlt auf der Innenseite das Larvengespinst. Zwischen der Menge wieder verdeckelter Zellen und dem Anteil nicht reproduktiver Milben besteht gemäss Ralph Büchler ein Zusammenhang.

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Ein ausführlicher Bericht über die Erkenntnisse der D.I.B.-Züchtertagung 2016 folgt am Züchtertag von mellifera.ch. Dieser findet statt am Samstag, den 11. März 2017, im Plantahof Landquart.

© Foto: Reto Soland / mellifera.ch. Professor Kaspar Bienefeld (links) an der Züchtertagung 2016 des D.I.B. im Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen.

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